Der koloniale Blick in den orientalischen Harem


ISBN 9783640835942
12 Seiten, Taschenbuch/Paperback
CHF 19.35
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Essay aus dem Jahr 2007 im Fachbereich Romanistik - Französisch - Landeskunde / Kultur, Humboldt-Universität zu Berlin (Kulturwissenschaften), Sprache: Deutsch, Abstract: Angesichts der vorliegenden Fotografien, welche vermeintlich den maghrebinischen Harem um 1900 dokumentieren, muss das Problematisieren des eigenen Blickes die erste Prämisse

dieses Essays sein. Dieser Blick ist notwendigerweise von einer eurozentristischen Perspektive geprägt, so dass auch dessen okzidentale Konzepte an die Aufnahmen herangetragen werden.

Da der französische Kolonialismus den Entstehungskontext der Bilder darstellt und deren Rhetorik entscheidend prägt, dürfen die Fotografie nicht aus diesem Zusammenhang herausgelöst werden und es besteht überdies auch bei der aktuellen Analyse die Gefahr, die

dargestellten Körper noch einmal mehr zu kolonisieren.

Allerdings soll die Bewusstwerdung a priori diesem Engpass entgegenwirken, sofern diese Abstraktionsleistung überhaupt denkbar ist.

Neben der mis-en-scène der orientalischen Modelle wird in diesem Aufsatz eine Debatte über das Ver- und Entschleiern auf zwei Ebenen formuliert: Einerseits soll das Entschleiern der Fotografie als Technik und Wahrnehmung thematisiert werden, denn la photographie est pire que l´éloquence; elle proclame que rien n´est impénétrable, que rien n´est inavouable et que rien n´est voilé.

Andererseits muss die Frage nach der angeblich vollzogenen Entschleierung der verschleierten Frauen diskutiert werden, was wiederum relational zum vorangegangen Punkt steht.

Diese Wirkungstechniken der Fotografie werden an Baudelaires scharfer Kritik besonders deutlich: Die Liebe zum Obszönen, die im natürlichen Herzen ebenso lebhaft ist wie die Eigenliebe, ließe sich eine so schöne Gelegenheit ihrer Befriedigung nicht entgehen.

Daher werden die fotografischen Produkte nach ihren Befriedigungstechniken befragt, welche der Sexualisierung des Orients und insbesondere der Orientalin vorausgehen. Hieraus ergibt

sich die Frage nach den Blickregimen, welche diese Ausführungen stetig begeleiten [.]
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